Heinrich-Karl-Werner Habig

Heinrich-Karl-Werner Habig

Praktischer Arzt – Naturheilverfahren  ·  Recklinghausen, Deutschland
Zu insgesamt 26 Monaten Haft verurteilt; Approbationsentzug und Berufsverbot. Haftentlassung am 16.05.2026 mit einem Jahr Bewährung.
Fallbericht — Dokumentation

Art der Verfolgung

  • Berufsverbot und Entzug der Approbation (Bezirksregierung Münster, initiiert durch die Ärztekammer)
  • Monatelange verdeckte Überwachung des Praxiseingangs mit Richt‑ und Parabolmikrofonen aus einer gegenüberliegenden Wohnung; Handyüberwachung
  • Staatsanwaltliche Praxisdurchsuchung sowie Durchsuchung der Privatwohnung
  • Kontosperrung
  • Öffentliche Diskreditierung durch die lokale Presse
  • Insgesamt 26 Monate Haft (davon 16 Monate Untersuchungshaft)

Vorwurf

Ausstellen unrichtiger Gesundheitszeugnisse (§ 278 StGB).

Was ist tatsächlich passiert?

Im vertraulichen Gespräch mit mir allein in einem separaten Zimmer trafen Patienten ihre individuellen Impfentscheidungen – im Sinne des Selbstbestimmungsrechts, wie es im Hippokratischen Eid und im Genfer Ärztegelöbnis verankert ist.

Am 21. Januar 2022 stürmten ein Oberstaatsanwalt und eine Staatsanwältin mit Kriminalkommissaren und etwa zehn, zum Teil bewaffneten Polizisten (in schusssicheren Westen) meine Praxis, durchwühlten die Räume und packten alle Unterlagen, Computer, Laptops und Handys ein. Die Praxis war in vollem Betrieb; einige Patienten bekamen gerade Infusionen oder warteten auf ihre Untersuchung. Sie wurden in einen Raum gebracht und einzeln verhört. Ich selbst wurde in mein Wartezimmer platziert und von einem Polizisten bewacht.

Die Staatsanwältin sagte zu meiner Frau: „Ich habe mir gerade überlegt, Sie klage ich auch noch an.” Sie ordnete an, unsere Privatwohnung aufzubrechen und zu durchsuchen; meine Frau bot an mitzugehen, um die Tür aufzuschließen. In der Wohnung wurde alles durchwühlt und die Schwebedecke im Flur heruntergerissen. Fünf Tage später wurde die Wohnung erneut durchsucht und meine Frau zur Blutentnahme mitgenommen – die ein Polizist vor den Augen der Staatsanwältin vornahm, weil der Arzt zu beschäftigt war. Meine Frau konnte in der Wohnung nicht mehr schlafen; wir zogen nach Dortmund in eine leerstehende Wohnung ihres Bruders.

Im Mai wurde ich vor der Wohnung auf offener Straße spektakulär verhaftet – mehrere Mannschaftswagen blockierten die Straße –, und ich wurde nach Bochum gebracht.

In den Wochen danach veräußerte ich über eBay das Praxisinventar, was mir später als Vorbereitung zur Flucht ausgelegt wurde; Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft Bochum gaben sich dabei als Kaufinteressenten aus.

— Heinrich-Karl-Werner Habig

Aktueller Stand

  • Nach 16 Monaten Untersuchungshaft (JVA Bochum-Krümmede) zweijährige Pause wegen Revision, mit polizeilicher Meldepflicht zweimal wöchentlich
  • Danach freiwilliger Haftantritt in Bielefeld (offener Vollzug), Verlegung nach Castrop-Rauxel
  • Wegen guter Führung nach zwei Dritteln der Gesamtstrafe Haftentlassung am 16.05.2026 – mit einem Jahr Bewährung
  • Insgesamt 26 Monate Haft
Auswirkungen — Dokumentation

Berufliche Auswirkungen

Die Praxis war ab dem 21. Januar 2022 geschlossen; die Approbation musste abgegeben werden. Er war arbeitslos.

Finanzielle Auswirkungen

Keine Einnahmen mehr bei weiterlaufenden Kosten; der Vermieter ließ sich zunächst nicht auf eine Praxisauflösung ein. Anwaltskosten für zwei Anwälte zwischen 200.000 und 250.000 € – gedeckt aus Ersparnissen und mit Unterstützung (u.a. „Weißer Kranich”).

Persönliche Auswirkungen

Schlafstörungen, Panikattacken, Herzrasen. Telefon‑ und Türklingeln lösten Schreck aus. Die beschlagnahmten Geräte (Computer, Laptops, Handys) konnte er nach etwa 14 Tagen aus Bottrop wieder abholen.

Kollegiale Reaktionen

Aus dem kollegialen Umfeld gab es keine Reaktionen.

Pressereaktionen

Ein örtlicher Radiosender und lokale Printmedien nahmen eine Vorverurteilung vor – unter anderem mit einer Stellungnahme der Pressestelle der Staatsanwaltschaft.

Chronologie

Oktober 2021:
Richtmikrofone aus einer gegenüber der Praxis gelegenen Wohnung werden auf die Praxis gerichtet; Beginn gezielter Beobachtung und Handyüberwachung
21.01.2022:
Ein Oberstaatsanwalt und eine Staatsanwältin stürmen mit Kriminalkommissaren und rund zehn, zum Teil bewaffneten Polizisten die laufende Praxis; Durchsuchung und Beschlagnahme aller Unterlagen und Geräte, Patienten werden einzeln verhört
Januar 2022:
Durchsuchung der Privatwohnung; fünf Tage später erneute Durchsuchung und Zwangs-Blutentnahme bei seiner Frau; Umzug nach Dortmund
Mai 2022:
Spektakuläre Verhaftung auf offener Straße und Überführung nach Bochum; Beginn der Untersuchungshaft
16.05.2026:
Haftentlassung nach zwei Dritteln der Strafe (insgesamt 26 Monate Haft) mit einem Jahr Bewährung
Hinweis zur Verantwortlichkeit

Die Angaben in diesem Fallbericht stammen von der betroffenen Person selbst. Die Redaktion prüft, ob eine strafrechtliche oder berufsrechtliche Verfolgung vorliegt; die inhaltliche Richtigkeit jeder einzelnen Angabe kann sie nicht verifizieren. Für die Korrektheit der Darstellung ist die jeweilige Verfasserin bzw. der jeweilige Verfasser selbst verantwortlich.

Name
Heinrich-Karl-Werner Habig
Fachgebiet
Praktischer Arzt – Naturheilverfahren
Zusätzliche Qualifikationen
Manuelle Therapie, TCM-Akupunktur, Ozon-Sauerstoff-Therapie, Kinesiologie, Psychokinesiologie, Neuraltherapie, Colon-Hydro-Therapie
Besondere Funktionen
Referent für die Ozon-Sauerstoff-Gesellschaft im In‑ und Ausland (Schweiz, Spanien, Österreich, Mexiko, Japan).
Position
Arzt in eigener Praxis. Seit 1990 niedergelassen – zunächst zehn Jahre als Kassenarzt, danach privat.
Standort
Recklinghausen, Deutschland
Alter
70 Jahre
Praxis seit
1990
Verfolgt seit
Oktober 2021
Dokumentiert seit
11.9.2026
Status
Zu insgesamt 26 Monaten Haft verurteilt; Approbationsentzug und Berufsverbot. Haftentlassung am 16.05.2026 mit einem Jahr Bewährung.
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