Die Präambel des ärztlichen Berufsethos — und warum sie heute wichtiger ist denn je.
Das Genfer Gelöbnis des Weltärztebundes (World Medical Association) ist die zeitgemäße Fortschreibung des Hippokratischen Eides und bildet die ethische Grundlage des ärztlichen Berufs weltweit. Es wurde 1948 verabschiedet und zuletzt 2017 grundlegend überarbeitet.
Als Mitglied der ärztlichen Profession gelobe ich feierlich,
mein Leben in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen;
die Gesundheit und das Wohlergehen meiner Patientin oder meines Patienten wird mein oberstes Anliegen sein;
ich werde die Autonomie und die Würde meiner Patientin oder meines Patienten respektieren;
ich werde den höchsten Respekt vor dem menschlichen Leben wahren;
ich werde nicht zulassen, dass Erwägungen von Alter, Krankheit oder Behinderung, Glaube, ethnischer Herkunft, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, politischer Zugehörigkeit, Rasse, sexueller Orientierung, sozialer Stellung oder jeglicher anderer Faktoren zwischen meine Pflichten und meine Patientin oder meinen Patienten treten;
ich werde die mir anvertrauten Geheimnisse auch über den Tod der Patientin oder des Patienten hinaus wahren;
ich werde meinen Beruf nach bestem Wissen und Gewissen, mit Würde und im Einklang mit guter medizinischer Praxis ausüben;
ich werde die Ehre und die edlen Traditionen des ärztlichen Berufes fördern;
ich werde meinen Lehrerinnen und Lehrern, meinen Kolleginnen und Kollegen und meinen Schülerinnen und Schülern die ihnen gebührende Achtung und Dankbarkeit erweisen;
ich werde mein medizinisches Wissen zum Wohle der Patientin oder des Patienten und zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung teilen;
ich werde auf meine eigene Gesundheit, mein Wohlergehen und meine Fähigkeiten achten, um eine Behandlung auf höchstem Niveau leisten zu können;
ich werde, selbst unter Bedrohung, mein medizinisches Wissen nicht zur Verletzung von Menschenrechten und bürgerlichen Freiheiten anwenden;
ich gelobe dies feierlich, aus freien Stücken und bei meiner Ehre.
Wenn Ärztinnen und Ärzte während der Corona-Pandemie individuelle Gesundheitsentscheidungen ihrer Patienten unterstützten (sei es durch Maskenbefreiungen bei medizinischer Indikation oder durch Zurückhaltung bei Impfungen mit unzureichend erforschten Langzeitfolgen), dann handelten sie nicht gegen das Gesetz, sondern im Einklang mit ihrem Gelöbnis.
Dieser Satz ist kein Lippenbekenntnis. Er ist das Fundament ärztlicher Ethik. Wenn ein Arzt erkennt, dass eine pauschale Maßnahme einem individuellen Patienten schadet (etwa einem Asthmatiker die Maske oder einem immunsupprimierten Patienten eine bestimmte Impfung), dann gebietet das Gelöbnis, diesem Patienten eine individuelle Lösung anzubieten. Nicht als Gefälligkeit, sondern als ethische Pflicht.
Das Genfer Gelöbnis verankert das Recht auf Patientenautonomie. Jeder Patient hat das Recht, medizinische Maßnahmen abzulehnen, und Ärzte haben die Pflicht, dieses Recht zu respektieren. Wenn der Staat diese Autonomie durch Pflichten und Sanktionen aushöhlt, geraten Ärzte in einen fundamentalen Gewissenskonflikt: Sollen sie dem Staat gehorchen oder ihrem Patienten dienen?
Die vielleicht bedeutsamste Passage des Gelöbnisses: »Ich werde, selbst unter Bedrohung, mein medizinisches Wissen nicht zur Verletzung von Menschenrechten und bürgerlichen Freiheiten anwenden.« Dieser Satz wurde nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges aufgenommen, als Ärzte sich auf Befehle und Gesetze beriefen, um unethisches Handeln zu rechtfertigen. Das Gelöbnis verlangt ausdrücklich, dass Ärzte Menschenrechte über staatliche Anordnungen stellen.
Das Genfer Gelöbnis verlangt von Ärzten genau das, wofür sie heute verurteilt werden: den individuellen Patienten über pauschale Anordnungen zu stellen. Die verfolgten Ärzte haben nicht gegen ihren Eid verstoßen; sie haben ihn eingehalten.
Das Genfer Gelöbnis wurde 1948 als direkte Reaktion auf die Nürnberger Ärzteprozesse formuliert. Es sollte sicherstellen, dass Ärzte nie wieder sagen können: »Ich habe nur Befehle befolgt.« Die Ironie der heutigen Situation ist kaum zu übersehen: Ärzte, die sich weigerten, pauschale Maßnahmen ohne individuelle Prüfung durchzusetzen, also genau das taten, was das Gelöbnis fordert, werden strafrechtlich verfolgt.
Die Ärztinnen und Ärzte, die wir auf dieser Website dokumentieren, standen vor einer unmöglichen Wahl: dem Staat gehorchen oder ihrem Gewissen folgen. Das Genfer Gelöbnis gibt darauf eine eindeutige Antwort. Dass der Staat diese Antwort mit Gefängnisstrafen beantwortet, ist der eigentliche Skandal und der Grund, warum diese Dokumentation existiert.